Memoiren, gefunden in der Badewanne

Orginalausgabe: Doskonala próznia. erschienen bei Czytelenik, Warszawa 1971

Aus dem Polnischen von Walter Tiel
Mit einer Einleitung des Autors aus dem Polnischen von Klaus Staemmler

Deutschsprachige Ausgabe:

Die von Lem ersonnene Welt, Zukunftsbild und Symbol einer allgewaltigen, zum Selbstzweck gewordenen, den Menschen verschlingenden Organisation ist ... weniger weit von den Grenzen des Möglichen entfernt, als man wahrhaben möchte. Ein Zukunftsalptraum

Der Bund, Bern


Memorien, gefunden in der Badewanne ist eine satirische Farce, eine surrealistische Antutopie und eine schillernde Schmähschrift auf die absolute Bürokratie und den totalen Polizeistaat, in dem alles und jedes gelenkt, einem geheimen Zweck untergeordnet und von Spitzeln überwacht und kontrolliert wird. In Borges Die Lotterie in Babylon bewirkt die Lotterie ein regelmäßiges Ergießen des Zufalls in die Weltordnung; in Memorien, gefunden in der Badewanne ist alles vorausgeplant und vorausbestimmt, aber das Endergebnis ist ungefähr dasselbe, denn möglicherweise funktioniert die ganze hypertrophierte Staatsmaschinerie schon längst nach Zufallsprinzipien, wie das ganze Universium, Chaos und Ordnung, Zufall und Notwendigkeit, Sinn und Unsinn fallen zusammen und sind prinzipiell unterscheidbar.
Das "Gebäude", eine Spionagezentrale, ist "unbesiegbar"; im Verlaufe seiner Entwicklung ständig gewachsen, steht es im unaufhörlichen Kampf mit einem Antigebäude, einer gegnerischen Spionagezentrale, die es durchdrungen hat und von der es ebenso durchdrungen worden ist; aber ob es gegnerische Organisationen und jenes andere "Gebäude" gibt oder je gegeben hat, weiß niemand. Möglicherweise ist es nur eine Konstruktion, ein projiziertes Feindbild, wie jener Staatsfeind Goldstein in George Orwells 1984.

Suhrkamp


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