Orginalausgabe: Pokój na ziemi, erschienen bei Wydawnictow Literackie, Kraków 1986
Aus dem Polnischen von Hubert Schumann
Deutschsprachige Ausgabe:
Kurz nach seinen höchst merkwürdigen Erlebnissen auf dem
Planeten Entia im "Lokaltermin" wird Lems Lieblingsheld, der unermüdliche
Kosmosreisende Ijon Tichy, schon wieder mit einer riskanten Mission betraut,
die zu bewältigen nur er vermag, als der über den Dingen stehende
Beobachter. Obwohl das Ziel der Expedition diesmal nahe ist und Tichys
Aufgaben strengster Geheimhaltung unterliegen - er soll den Mond inspizieren,
auf den die Staaten der Erde alle Waffenarsenale verlagert haben, erweist
sich die Sache als überaus gefährlich: noch vor Antritt des Unternehmens,
dem Stanislaw Lem während der Niederschrift des Romans den ironischen
Arbeitstitel L. E. M., nämlich "Lunar Expedition Misery" gegeben hatte,
was "Mondexpeditionselend" bedeutet, passieren die eigenartigsten Dinge.
So entgeht Ijon Tichy zum Beispiel nur in letzter Sekunde einem Attentat,
bei dem geheimnisvolle Mächte die Hand im Spiel haben. Glück
und Pech zugleich hat er dann auch bei seinen bei aller Spannung beklemmenden
Abenteuern auf dem Mond: Glück, weil er mit dem Leben davonkommt,
Pech, weil irgend etwas durch Trennung derVerbindungsstränge sein
Hirn in zwei Teile gespalten hat. Tichy verfügt frei nur noch über
die linke Hälfte, die das Sprachzentrum beherbergt, während die
in der rechten gespeicherte Erinnerung an die Geschehnisse für ihn
verloren ist. Die bösen Folgen für Ijon Tichy, der sich schließlich
in einem Sanatorium für irre Milliardäre versteckt, um endlich
Ruhe vor neugierigen Befragern zu finden, haben auch ihr Gutes: seine Versuche,
mit einem einfachen Trick Kontakt zur rechten Hirnhälfte zu bekommen,
werden von Erfolg gekrönt, er gewinnt sein Gedächtnis zurück,
obwohl noch etliche graue Zellen blockiert sind. Im übrigen scheint
der gute Tichy (was deutsch "Der Stille" heißt) viel mehr zu wissen,
als er seinen Gesprächspartnern preisgibt, bevor er wie die übrige
Welt vor die größte Überraschung seines Lebens gestellt
wird.
VVW
So ein LEM, schreibt Stanislaw Lem mit selbstironischen Blick in den Spiegel, so ein LEM sehe reichlich plump aus, sei etwas dick und, um den Schwerpunkt niedrig zu halten, kurzbeinig. Eine Art Ritterrüstung, wobei jedoch der Ritter, Ijon Tichy, in der Raumkapsel sitzt, während die Rüstung, teleferistisch mit seinen Innenleben ausgestattet, in den Mondkratern herumstolpert, um zu erkunden, wohin es die Menschheit gebracht hat.
Peter Haffner, Basler Zeitung
Im 21. Jahrhundert sind die Großmächte übereingekommen, auf Erden abzurüsten und die gesamten Waffenarsenale auf den Mond zu verlagern; in durch neutrale Zonen getrennte Sektoren. Analog dem Prinzip der natürlichen Evolution organischer Lebewesen vollzieht sich auf dem Mond eine Selbstoptimierung der Waffensysteme, völlig autonom. Niemand auf Erden weiß, was sich auf dem Mond wirklich abspielt, welche Seite inzwischen einen Vorsprung gewonnen haben mag, die "Doktrin der totalen Unkenntnis" wird strikt eingehalten. Automatische Aufklärungssonden gehen spurlos verloren. Zeit also für Ijon Tichy, Lems unermüdlichen Weltraumreisenden, der nie zögert, wenn es gilt, die Menschheit zu retten, als Agent der "Lunar Agency" auf dem Mond nach dem Rechten zu sehen. Leider zieht er sich dabei eine Kallotomie zu, sein Gehirn wird in zwei Teile aufgespalten, was zu für ihn grostesken Folgen führt, denn zwei Seelen oder zwei Gehirnhälften liegen alsbald in ihm in Widerstreit miteinander, treiben ihn bald dahin, bald dorthin. Es kommt aber noch dicker, denn vom Mond hat Tichy etwas auf die Erde mitgebracht, was den gesamten Verlauf der irdischen Zivilisation verändert.
Suhrkamp