Die Imaginäre Größe

Orginalausgabe: Wielkosc urojono, erschienen bei Warszawa, Crtelnik 1973

Deutschsprachige Ausgabe:

Es sind hintergründige Spielerein mit der Sprache und mit der Universalität des Denkens, oft am Rande der Groteske und Farce.

Gudrun Ziegler, FAZ


Stanislaw Lem hat in seinem Schaffen eine deutliche Entwicklung vollzogen: von abenteuerlichen Science-fiction-Romanen und -Erzählungen schritt er fort zu immer komplexeren sprachlichen und gedanklichen Strukturen. Er hat so seine eigene Mischung von erzählender Prosa und diskursivem Essay gefundenm, eine Art Metaliteratur.
Währen Lem in Die vollkommene Leere Rezensionen nicht existierender Bücher verfaßt hat, so sucht er in Imaginäre Größe die Kunst des Vorwortschreibens aus der Sklaverei der Werke, an die sie gefesselt sind, zu erlösen: "Niemand unternimmt es, die Vorwortschreiberei aus dem Zwinger der Unfreiheit, aus der Tretmühle des Frondienstes herauszuführen. Also gibt es keinen anderen Rat: Ich muß selbst, obschon eher aus Pflichtgefühl denn aus einer Regung des Herzens, der Introduktionistik zu Hilfe eilen - um ihr Befreier und Geburtshelfer zu werden." Das erklärt Lem im Vorwort seiner Sammlung imaginärer Vorworte.
Das erste Vorwort gilt einem pornographischen Bildband einer ganz neuen Art, bei dem es der Leser sicher bedauert, daß er in diesem Fall mit der Einführung vorlieb nehmen muß. Weitere Vorworte erläutern, wie den Bakterien die Sprache beigebracht wurde - die Eruntik ist die Lehre von den sprechenden Bakterien -, oder führen ein in die "Geschichte der britischen Literatur", der computergenerierten Literatur, so benannt nach den bits, den Einheiten der Information. Abschluß und Höhepunkt des Bandes ist eine einleitende Rede des Supercomputer GOLEM XI, der der Menschheit in bombastischer Rhetorik einen Spiegel vorhält und ihr auseinandersetzt, wie mißlungen der Mensch als Produkt der Evolution ist, wie gering seine geistigen Qualitäten, gesehen aus der Position eines wahrhaft intelligenten Wesens.

Suhrkamp


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