Orginalausgabe: Wysoki Zamek, erschienen 1968
Aus dem Polnischen von Caesar Rymarowicz
Deutschsprachige Ausgabe:
Lemm zeichnet die Erinnerungen an seine Kindheit etwa vom dritten bis zum zwölften Lebensjahr auf. Es werden die Beziehungen zur näheren Umgebung, zu den Eltern, zu den Mitschülern und Lehrern sowie mit psychologischem Feingefühl die besonderen Verhaltensweisen des Kindes in den Freizeitbeschäftigungen und bei anderern Gelegenheiten gezeigt, ohne daß die enge individuelle Sicht durchbrochen wird. So entsteht weder ein Bild seiner damaligen Mitmenschen noch ein Zeitbild. Zu manchen Einzelheiten gibt der Autor nicht immer leicht verständliche philosophische Kommentare.
VVW
Stanislaw Lem, mit seinen utopischen Romanen und Erzählungen
einer der meistübersetzten polnischen Gegenwartsschriftsteller, versucht
im "Hohen Schloß" eine Rekonstruktion seiner Kindheit und Jugend.
Rekonstruktion ist wörtlich zu nehmen: Lem macht deutlich, in welche
Schwierigkeiten, in welchen Zwiespalt einer gerät, der sich auf eine
Konfrontation mit seiner Erinnerung einläßt. Sein Gedächtnis
rückt unwesentliche Details ins Rampenlicht und läßt Wichtiges
in der Versenkung verschwinden.
Achtzehn Jahre vor Ausbruch des zweiten Weltkrieges in Lwów
geboren, wuchs der Knabe - ein tyrannisches kleines Monstrum, wie er sich
fünf Jahrzehnte später eingesteht - als Sohn eines angesehenen
Arztes in wohlgeordneten Verhältnissen auf. Eine behütete Kindheit
also, in der die Schatten der Zeit - Arbeitslosigkeit, soziales Elend,
Streiks - kaum wahrzunehmen sind. Erst der Abiturient wird von einer Ahnung
drohenden Unheils heimg class="links"esucht.
Mit ein wenig Kokettene und viel Selbstironie schildert Lem seinen
Weg aus dem Schoß der Familie in die Gemeinschaft der Schulklasse
und weiter in die damalige bürgerliche Gesellschaft, seine Suche nach
dem Platz, den er im Leben einnehmen sollte, sein Streben nach Selbstverwirklichung,
sein Bemühen, die Zeit, in die er hineingeboren wurde, zu begreifen.
So trachtet der Autor, die verwischten Spuren zu enträtseln, die ihn
dotthin führten, wo er jetzt steht, so sucht er, in verblichenen Erinnerungen
kramend, herauszufinden, wie er der wurde, der er ist: ein Mann, ",der
einen der weniger ernsten und eher bedenklichen Berufe ausübt, den
des höchst emsigen Ersinnens, das man mit verschiedenen oder weiß
Gott was verdeutlichenden Bezeichnungen wie ,Schriftstellerwerkstatt' zu
versehen pflegt".
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