Orginalausgabe: Summa technologiae, erschienen bei Wydawnictwo Literackie, Kraków 1964
Aus dem Polnischen von Friedrich Griese
Deutschsprachige Ausgabe:
Stanislaw Lem begann sein bisher umfangreichstes Werk 1939, und
nach fünf Jahren intensiver Arbeit erschien die Buchausgabe eines
Textes, in dem der polnische Autor Überlegungen zur zukünftigen
Entwicklung der Menschheit, vor allem der technologischen Evolution anstellt.
Bereits damals meldete er freilich Zweifel am "Größenwahn" der
Futurologen an, die von sich behaupteten, die Zukunft präzise voraussagen,
künftige Entdeckungen, Erfindungen, ökonomische und soziale Veränderungen,
ja sogar politische Entwicklungen prognostizieren zu können. Auch
in der Einleitung zur DDR-Ausgabe dieses noch heute faszinierenden essavistischen
Bandes gibt sich Lem eher skeptisch: ,,Zu Beginn eine paradoxe Feststellung:
Die thematischen Hauptrichtungen der ,Summa' -
also das von mir Entwickelte nicht minder als das von mir Übergangene
- waren nicht Ergebnis eines bewußt skizzierten Entwurfs. Das Buch
entstand ohne Plan, so daß ich, als ich es begann, nicht wußte,
wohin ich geraten würde. Überdies waren mir, als ich mich auf
den Weg machte, die Ziele nicht minder unbekannt als sogar meine eigenen
Ausgangspositionen. Diese letzteren sehe ich heute deutlich
- weniger durch die Konfrontierung des damals entstandenen Textes mit der
Gegenwart, als vielmehr durch den Vergleich meines Buches mit der Masse
jener anderen, die Ende der sechziger Jahre entstanden, als die Niode der
Futurologie ausbrach. Hätte ich zu meiner Zeit gezögert, die
,Summa' zu schreiben, so hätte ich sie später aus lauter Minderswertigkeitskomplexen
vor den akademischen Futurobgen entweder überhaupt nicht mehr geschrieben,
oder ich wäre dem Druck dieser Autoritäten erlegen und eines
Textes genesen, der sich keiner längeren Lebensdauer erfreut hätte
als jene Werke. Diese nämlich haben heute - von wenigen Ausnahmen
abgesehen - nur mehr historischen Wert: Sie sagen nichts über die
Zukunft, lediglich darüber, wie sich die Menschen damals diese Zukunft
vorgestellt haben. Hieraus zog ein Aphorismus seinen Ursprung: Nichts ist
so schnell veraltet wie die Zukunft."
Lems "Summa technologiae" hat seit 1964 - dem Erscheinungsjahr
des polnischen Originals - nichts von ihrer gedanklichen Frische verloren:
Das Buch vermittelt Denkanstöße, und dies in der Darstellungsweise
des Belletristen - es ist also anders als manche wissenschaftliche Abhandlung
auch für den Laien lesbar. Und nicht zuletzt bietet es die Grundlage
für schöpferische, also auch konträre Diskussionen. ,,Summa
technologiae" ist kein Buch für den nur passiv rezipierenden Leser.
Es verlangt (eigenes) Mitdenken und Phantasie.
VVW