Die vollkommene Leere / Das absolute Vakkum

Orginalausgabe: Doskonala próznia, erschienen bei Czytelenik, Warszawa 1971

Aus dem Polnischen von Hubert Schumann

Deutschsprachige Ausgabe:

In diesem Buch hat Stanislaw Lem, der Magier skurriler Ideen und freier Wortschöpfungen, einer Literaturgattung ein Denkmal gesetzt, die sonst nie beachtet wird und ein Schattendasein in absoluter Nichtbeachtung fristet: dem Vorwort, der Rezension.
In fünfzehn Beispielen zeigt Lem, wie man auf Bücher Appetit macht, wie dem Leser die Gier in die Augen getrieben wird und er versucht ist, sofort zur nächsten Buchhandlung zu rennen um das besprochene Buch zu erwerben. Perfide und hinterhältig nur, daß die besprochenen Bücher nicht existieren, dass es einige von ihnen, wie beim genaueren Hinsehen klar wird, nicht geben kann; die Bücher können nur existieren in der Metaebene der virtuellen Besprechung, sind unmöglich so zu schreiben wie vorgegeben.
Über Lems Motivation, ein solches Buch zu schreiben, möchte ich hier nicht spekulieren, sie wird ausführlich in dem etwas länglichen Vorwort erläutert. Einem Vorwort, dass, wie sollte es in einem solchen Buch auch anders sein, natürlich selbst Teil der Sammlung von Vorwörtern ist, sich somit selbst bespricht, auf sich selbst Bezug nimmt und sich sogar selbst zitiert: die höchste Form von literarischer Rekursion, als heimliches sechzehntes Kapitel.
Wer Spannung sucht, wer eine fesselnde Geschichte lesen will oder sich durch das Lesen in eine andere Welt versetzt finden möchte wäre von diesem Buch sicherlich schwer enttäuscht. Wer aber von intellektueller Spielerei und von Phantasie um ihrer selbst willen sich begeistern lässt wird an diesem Buch seine helle Freude haben.

Axel Woelke


"Rezensionen über Bücher zu schreiben, die es gar nicht gibt, ist keine Erfindung Lems", meint der Rezensent des Lemschen Werkes in seiner Besprechung, die den vierzehn Beiträgen dieses Bandes vorangestellt ist. "Wir finden derlei Versuche nicht nur bei einem zeitgenössischen Autor  J.L.Borges, sondern das Rezept reicht weit zurück, und nicht einmal Rabelais war der erste, der davon Gebrauch gemacht hat. Das ´Absolute Vakuum´ nun ist insofern ein Kuriosum, als es eine Anthologie nur eben solcher Kritiken sein will. Systematik und Konsequenz der Pedanterie oder des Schabernacks? Wir vermuten das letztere . . ." Als seriöser Literaturmensch fühlt sich der Rezensent vor den Kopf gestoßen und zieht nun heftig gegen Lem zu Felde, habe dieser doch in seinen Parodien, Pastiches und Spötteleien Meisterwerke als Witz abgetan, weil er vielleicht selber keines schreiben könne, was auch seine flüchtigen Entwürfe bewiesen, lauter Einfälle, die er im Großformat nicht zu realisieren verstanden habe: "Man weiß ja, Lem hat die Enzyklopädie mit Löffeln gefressen, man braucht ihn nur zu schütteln, und es stiebt von Logarithmen und Formeln." Dabei sei es ganz einfach, ihm auf die Schliche zu kommen und zu erkennen, daß das ´Absolute Vakuum´ ein Buch unerfüllter Wünsche sei. "Und die einzige Finte, die dem hakenschlagenden Lem jetzt noch übrigbleibt, ist ein blitzschneller Konter: die Behauptung, nicht ich, der Kritiker, sondern er selbst, der Autor, habe diese Rezension geschrieben und prompt dem ´Absoluten Vakuum´ einverleibt."

Verlag Volk und Welt


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